Unser-Wahnbek-Ipwege.de

 

O f f e n e r B r i e f

 

Gemeinde Rastede
Herrn
Bürgermeister Dieter Decker
Sophienstraße 27
26180 Rastede

 

 

Wahnbek/Ipwege, am 3. April 2008

 

Industriegebiet AK OL-Nord, Schafjückenweg/B 211

 

Sehr geehrter Herr Bürgermeister,
das vergangene Jahr beenden Sie recht philosophisch, indem Sie in Ihrem Grußwort zum Jahreswechsel den Griechen Aristoteles mit den Worten bemühen: „Wir können den Wind nicht ändern, aber wir können die Segel richtig setzen“ und dann stolz feststellen, im vergangenen Jahr „viele Segel gesetzt“ und damit „das Gesicht der Gemeinde nachhaltig verändert“ zu haben.
In der Tat, Sie verändern das Gesicht unserer Gemeinde! Nachhaltig, nachhaltiger geht’s nicht. Und es kommt ja alles noch viel schlimmer. Und es wird eher hässlicher, das Gesicht.
So haben wir mit Erstaunen auf der Bürgerversammlung in Wahnbek am 5. März Ihre Ausführungen zum geplanten Industriegebiet und zuletzt Ihre Bemerkungen im Bericht „Kontroverse um Industriegebiet“ der Rasteder Rundschau vom 16. März 2008 zur Kenntnis genommen!
Rastede benötigt, sagen Sie, unbedingt ein weiteres uneingeschränktes Industriegebiet (schön umschrieben mit „Industriepark“), das vorwiegend der Unterbringung von Gewerbebetrieben dient, die in anderen Gewerbegebieten unzulässig sind, wie es § 9 (1) BauNVO beschreibt. Das heißt, hier sollen störende Industriebetriebe angesiedelt werden, die über einen normalen Gewerbebetrieb hinausgehende Emissionen wie Verunreinigungen der Luft durch Abgase und Gerüche, Lärm und andere Störungen verursachen.
Sie verweisen darauf, dass es im „Nordwesten insgesamt eher weniger Industriegebiete“ gäbe und dass „wir alle Bedingungen erfüllen, um am Nordkreuz Industrie anzusiedeln“. Das sei „ein enormer Vorteil beim Werben um Betriebe“. Das zählt. Sonst gar nichts.
Dieses Vorhaben, wenn auch in damals viel kleineren Dimensionen, erinnert viele Einwohner Ipweges und Wahnbeks fatal an das Jahr 1998, als Sie mit Macht versuchten, die Ansiedlung Schweinezuchtverband Weser-Ems in Ipwege durchzusetzen und einem geballten Bürgerprotest gegenüber standen.
Im vergangenen Jahr beunruhigten Sie – nicht nur – die umliegenden Bewohner der Gewerbegebiete AK OL-Nord und Brombeerweg mit der geplanten Ansiedlung eines mit Palmöl betriebenen Blockheizkraftwerks, das vermutlich enorme Geruchs- und andere Emissionen mit sich gebracht hätte. Aber zum Glück der Bewohner hat dieser Investor wohl von seinen Plänen Abstand genommen.
Zwar behaupten Sie immer wieder, nur Betriebe anzusiedeln, „die zu uns passen“, wenn’s aber drauf ankommt, nehmen Sie aber jeden, s. o., einerlei, ob er nun in die Landschaft und zu unserem (Luftkur-) Ort passt oder nicht. Und so wird es sicherlich auch hier werden.
„Ich will alles, ... und noch viel mehr...“ mit diesem Zitat aus einem deutschen Schlagertext könnte man Ihr Bestreben auch hier benennen. Gut 21 ha Wald- und Ackerfläche in exponierter Lage wollen Sie vernichten (das ist die zehnfache Größe des neuen Baugebiets
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63 F am Hohe Brink, um vielleicht eine Vorstellung vom Flächenverbrauch zu haben), wollen sie zubetonieren und asphaltieren und mit blendenden, protzigen, meist hässlichen, unproportionierten Bauten vollstellen, die weit in die Landschaft hineinwirken (qualmende, stinkende Schlote einer Müllverbrennungsanlage vielleicht mag man sich hier noch gar nicht vorstellen). Kein Baum soll hier stehen bleiben.
Wir finden geradezu erschreckend, dass Sie sich schon im Vorfeld so eindeutig festlegen, was die Einbindung der Industriebauten in die Landschaft angeht! Von einem harmonischen Übergang des Gewerbegebiets zur freien Landschaft halten Sie gar nichts. Sie und - wie Sie behaupten – auch die Investoren wollen von weitem gesehen werden.
Sie, Herr Decker, haben keinerlei Verständnis für die Menschen vor Ort - auch die SPD-Ratsfraktion wünscht eine Einbindung in die Landschaft mittels eines Baumgürtels (siehe NWZ 25.02.08) -, ja, Sie überziehen die, die sich um die Zukunft unserer Dörfer Sorgen machen, mit Spott. Anders kann man Ihre süffisante Bemerkung in der Rasteder Rundschau vom 16.03.08 doch nicht lesen: „Die Firmen in Rastede müssten sich nicht hinter Bäumen verstecken, ‚denn es ist keine Schande, ein Gewerbe zu betreiben’“.
Nur schwer vorstellbar, wie angesichts Ihrer Vorfestlegungen überhaupt noch ein unvoreingenommener Abwägungsprozess im Bauleitverfahren stattfinden kann! Das Ganze nur eine Farce? Nur demokratischer Klimbim, da in unserer Gemeinde nur Ihre Meinung zählt und Sie die Macht haben, diese auch durchzusetzen?
Unbegreiflich auch, dass Sie überhaupt nicht bereit sind, das Umweltbewusstsein der Bürger in solche Planungen, die tiefgreifende, irreparable Auswirklungen zeitigen werden, einzubeziehen und ihnen deutlich zu machen, wie Sie deren ernsthaften Anregungen und Bedenken Rechnung tragen wollen. Die hier vorgesehenen Ersatzmaßnahmen kann kein Anwohner und Betroffener als Verbesserung in seinem Umfeld erkennen, im Gegenteil!
Vergessen Sie bitte nicht, dass Landschaft und Natur uns allen gehört. Und nicht Ihnen und den Investoren!
Dass dieses Industriegebiet unsere Landschaft unwiederbringlich zerstört, nehmen Sie bewusst oder wenigstens billigend in Kauf. Für Sie zählen ausschließlich wirtschaftliche und fiskalische Argumente
Wir wollen keine ausgeräumte Landschaft, wir wollen die Natur hier vor Ort erhalten. Ausgleichspflanzungen müssen in unmittelbarer Nähe durchgeführt werden und nicht in irgendwelchen „Flächenpools“ irgendwo im Ipweger Moor oder an den Autobahndämmen. Unsere Dörfer gehen sonst vor die Hunde.
Bedenken Sie bitte, dass Sie mit einem verdorbenen Ortsbild Unzufriedenheit für Generationen säen.
Wir fordern Sie auf, das Gewerbegebiet nicht länger als „uneingeschränktes Industriegebiet“ zu planen, sondern den vorhandenen benachbarten Gewerbegebieten gleichzustellen.
Wir fordern, den vorhandenen Baumbestand, der überwiegend aus Nadelhölzern besteht) auf der 20 m breiten (gesetzlich vorgeschriebenen) nicht überbaubaren Abstandsfläche entlang der B 211 zu erhalten und durch Laubbäume und –sträucher zu ergänzen.
Mit Nachdruck fordern wir auch die Einbindung in die Landschaft nach Osten und Südosten, (Blickrichtung von Butjadinger Straße und der östlichen B 211). Da es an die 30 Jahre dauert, bis ein Baum eine gewisse Höhe und damit seine Wirkung auf die Landschaft erreicht, sollte mit der Anlage von Sichtschutzgürteln unverzüglich bei Erschließung des Gewerbegebiets begonnen werden.
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Da der Hillersweg keinerlei Bedeutung für das Industriegebiet hat, auch nicht für dessen Erschließung, fordern wir den Erhalt der uralten Wallhecke ohne Abstriche, das heißt, ohne die bei anderen Baugebieten üblichen Abholzungen und Aufastungen seitens der Gemeinde.
Wir fordern Sie darüber hinaus auf, für die Wallhecke in ganzer Länge und mit ihrem gesamten vorhandenen Baum- und Strauchbestand Unterschutzstellung als Naturdenkmal zu beantragen.
Wie heißt es doch auf der Website, die Lage der Gemeinde Rastede sei ideal und verkehrsgünstig am Rande Oldenburgs gelegen und biete „dennoch alle Vorteile eines Erholungsortes“ (!). Auch dann noch, wenn nun bald die dritte Autobahn unsere Gemeinde durchschneidet und sich an jeder Autobahnabfahrt Gewerbe- und Industriegebiete in die Landschaft fressen und die Wohngebiete einkesseln?!
Nicht erst hier stellt sich die Frage, ob in der Gemeinde Rastede Industrie, Tourismus und Wohnen im Grünen (oder gar im „Erholungsort“) noch lange miteinander zu vereinbaren sind.

 

Mit freundlichen Grüßen

 

Unser-Wahnbek-Ipwege.de
gez. Frerichs gez. Meins gez. van Ohlen gez.Condit gez. Diepholz
(Heike Frerichs) (Manfred Meins) (Gisela van Ohlen) (Angelika Condit-Dannemann) (Cord Diepholz)
In Kürze finden Sie uns im Internet unter
www.Unser-Wahnbek-Ipwege.de
Heike Frerichs, Eibenstraße 6
Manfred Meins, Butjadinger Straße 117
Gisela van Ohlen, Feldstraße 38 b
Angelika Condit-Dannemann, Butjadinger Straße 79
Cord Diepholz, Berneweg 18
alle wohnhaft in 26180 Wahnbek/Ipwege

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Die Unterschriftsbögen liegen ab 23. Juni im Bioladen Steenkenaus!
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Der NABU unterbreitet dem Bürgermeister einen Vorschlag, Luftbild: Google Maps
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