"Küstenautobahn" A 20 (A 22)

Transithinterland oder Erholungslandschaft - die Regionen zwischen Ammerland und Elbe stehen am Scheideweg! Neue Autobahnen trotz Klimawandel - sind wir noch zu retten ?

Selbst die in ihrer ganzen Tragweite langsam ins Bewußtsein vieler Menschen dringende globale Erwärmung (Klimawandel) läßt die Befürworter neuer Autobahnen unbeeindruckt. Weiter wird für den Bau neuer Autobahnen (hier der A 22) in öffentlichen Veranstaltungen geworben. Dass neue Autobahnen auch neue Verkehre nach sich ziehen, findet in den Argumentationen der Lobbyisten wohlweislich keine Erwähnung. Dabei hat die Europäische Umweltagentur (EUA) den (Transport-) Verkehr als immer größere Gefahr für das Klima bezeichnet. Zwischen 1990 und 2003 nahm der Verkehr zu Lande, Wasser und in der Luft um 20 % zu. Der Verkehr in den alten EU-Ländern ist danach für mehr als 20 % der Treibhausgase verantwortlich!
Immerhin wird die Klimaveränderung durch Wetterkapriolen und Naturkatastrophen inzwischen von jedem Einzelnen wahrgenommen. Die Veränderungen und das Verschwinden vieler Tier- und Pflanzenarten dagegen wird allenfalls von Fachleuten und Wissenschaftlern festgestellt. Doch tickt nicht mit dem Artensterben eine ähnliche Zeitbombe wie beim Klimawandel? Leider verfügt der Mensch über keinen Sinn, die ihn das Artensterben spüren läßt (s. dazu auch die EU-Studie "European Mammal Assessment" und den Bericht über die Stromstadkonferenz zur biologischen Vielfalt vom Okt. 2009!). Deshalb asphaltieren wir ungehemmt unsere Landschaft mit immer neuen Straßen zu (Ende 2007 umfaßte das bundesdeutsche Autobahnnetz sage und schreibe 12.500 km, zusammen mit den Bundesstraßen 40.700 km Fernstraßen!), werden Flüsse zu Wasserstraßen ausgebaggert und Naturlandschaften müssen Neubausiedlungen weichen. In Deutschland werden täglich Flächen in einer Größenordnung von 120 Fußballfeldern für Straßen und Gebäude zubetoniert! Lt. Statistischem Bundesamt ist der Flächenverbrauch zwischen 2004 und 2007 um 1648 km² gestiegen.


Grundsätzliches zur A 20 (A 22):
Von Wirtschaftsverbänden als Zukunftsinvestition gepriesen, von den an der Trasse liegenden Landkreisen als unabdingbar gefordert, in vielen euphorischen Beiträgen von der regionalen Presse unterstützt, wird derzeit das Planfeststellungsverfahren (PFV) für die sogen. Küstenautobahn A22 von der Elbe bei Drochtersen über den Wesertunnel bis Westerstede vorbereitet. Ziehen über die Jader Marsch und die Osteniederung statt Blessgänsen und Seeadler bald die Blechkisten aus Skandinavien und Osteuropa? Schöne Aussichten !
In der Argumentationskette der Befürworter finden sich die hinlänglich bekannten Gemeinplätze, wie "Stärkung der Wirtschaftskraft" und "Schaffung und Sicherung von Arbeitsplätzen" (s. auch unten!). Auch die durch den Wesertunnel bedingte und vom NABU und anderen Verbänden vorhergesagte Zunahme des (Schwerlast-) Verkehrs, insbesondere westlich der Weser, läßt sich jetzt gut im Sinne der Befürworter instrumentalisieren.
Auch die verheerenden Auswirkungen auf Natur und Landschaft in den Regionen zwischen Kehdinger Land und Ammerland durch eine neue Autobahn hat der NABU frühzeitig zu bedenken gegeben, die ausgelöst durch den Bau des Wesertunnels mit dem "Lückenschluß" zwischen der A20 und der A28 entstehen werden. Dabei sind die Gebiete westlich der Weser bereits durch eine West-Ost- und eine Nord-Süd-Autobahn hervorragend erschlossen, die 'Parklandschaft Ammerland' wäre durch dann drei Autobahntrassen förmlich portioniert!

Ziehen über die Jader Marsch und die Osteniederung statt Blessgänsen und Seeadler bald die Blechkisten aus Skandinavien und Osteuropa? Schöne Aussichten!
Ziehen über die Jader Marsch und die Osteniederung statt Blessgänsen und Seeadler bald die Blechkisten aus Skandinavien und Osteuropa? Schöne Aussichten!

In erster Linie wird die A22 dem von Osteuropa und Skandinavien in Richtung Westeuropa fließenden LKW-Verkehr als Transitstrecke dienen! Welchen Preis zahlen die Regionen dafür? Bisher weitgehend unberührte und schützenswerte Landschaften mit FFH-, Natur- und Landschaftsschutzgebieten vom Ammerland bis ins Kehdinger Land, die Rückzugsräume für viele bedrohte Tier- und Pflanzenarten und ein großes touristisches Potenzial darstellen, würden entwertet oder zerstört. Stellvertretend für viele weitere seien hier die Osteniederung als Lebensraum von Seeadler, Otter und Lachs sowie die Jader Marsch als Überwinterungsraum tausender arktischer Nonnen-, Bless- und Graugänse genannt. So werden in der Jader Marsch in jährlich steigender Tendenz immer mehr überwinternde Wildgänse gezählt.
Es werden für die Natur dramatische Veränderungen einsetzen. Die Autobahn wird eine für Mensch und Tier gleichermaßen verheerende Barrierewirkung haben. Tiere verlieren Teile ihrer angestammten Lebensräume, weil die Autobahn diese auseinanderreißt. Viele werden beim Überqueren Opfer der neuen Straße. Lärm und Abgase tun ein Übriges zur ökologischen Entwertung der Landschaften. Eine wirklich große Hilfestellung für die dringend auf den Tourismus angewiesene Küstenregion! Menschen, die hierher kommen, wollen sich weitab von lärmendem Autoverkehr der Ballungsräume erholen!

Die Argumentation der Naturschutzverbände und Bürgerinitiativen zur Prüfung von Alternativen vom Ausbau der A1 bis hin zur Nullvariante statt neuerlicher massiver Umweltzerstörung werden nicht einmal ansatzweise in Erwägung gezogen. Nach dem Vorverfahren zum PFV war erkennbar, dass diese Autobahn mit dem geringstmöglichen Planungs-, sprich Kostenaufwand, unterhalb der gesetzlichen Mindestanforderungen (!) durchgezogen werden soll. Vorerst sind allerdings nur die Planungskosten gesichert. Die "restliche" Finanzierung von ca. 2 Mrd. Euro (incl. Elbtunnel) ist indes völlig ungeklärt. Die Aufnahme der A22 in die Anlagenliste des Gesetzes zur Beschleunigung von Infrastrukturmaßnahmen ist auch aus dem Grunde bereits gescheitert.

Graugänse
Graugänse

Der NABU hat jedenfalls keine Hilfestellung in Form von (avi-) faunistischen Daten geliefert und hält sich für die weiteren Planungsschritte alle Optionen offen.

Die an Peinlichkeiten reiche Vorgeschichte der A 22, auch im Zusammenhang mit Aussagen von führenden Politikern und Behördenleitern, wurde von S. Grube in einer "Chronologique fatal" aufgelistet. Bei so manchem heutigen Verfechter einer neuen Autobahn A 22 müßte sich bei der Lektüre dieser lesenswerten Chronik ein verständliches Unwohlsein einstellen!

Wer dem eigens von Bürgerinitiativen, Naturschutzverbänden und Betroffenen am 26.03.2008 in Jaderberg gegründeten Schutz- und Klagefonds beitreten und damit zur Stärkung der Ablehnungsfront gegen die A 22 beitragen möchte, kann sich hier über die Bedingungen informieren und hier eine Beitrittserklärung ausdrucken. Nur in der starken Gemeinschaft besteht gegen die scheinbar übermächtige Planungsbürokratie eine Chance!


Der Verlauf der bisherigen Auseinandersetzungen und Aktionen:

8. September 2010:
Der sogenannte Scopingtermin (hier wird der Rahmen für die Umweltuntersuchungen zwischen Planungsträger und den Trägern öffentlicher Belange -auch der Umweltverbände- diskutiert) und die anschließende Projektkonferenz (hier werden von der Planungsbehörde und den beteiligten -büros die bisher vorliegenden Untersuchungsergebnisse zu den diversen Schutzgütern vorgetragen) für den 1. Abschnitt zwischen dem Garnholter Wald und der Kreuzung A20/A29 bei Bekhausen ergaben für die anwesenden Vertreter von BUND und NABU wichtige Erkenntnisse über die hohe Wertigkeit der einzelnen Landschaftsräume. Die höchste Arten- und Individuenrate erreichten dabei die Heller Büsche im Dreieck A20/A28 bei Groß Garnholt. So wurden dort allein acht Arten von einigen hier sehr seltenen Fledermäusen (Zwerg-, Fransen-, Bart-, Wasser-, Rauhautfledermaus, Großes Mausohr, Großer Abendsegler, Braunes Langohr) festgestellt. Ursächlich dafür dürfte in erster Linie die mit 199 (!) Arten reiche Auswahl an Nachtfaltern sein. Auch Holzkäfer sind mit 18 Rote-Listen-Arten stark im Trassenraum vertreten. Weiter sind seltene Libellen (Scharlach- oder Späte Adonislibelle im Holler Moor) und Tagfalter (Grünwidderchen im Dringenburger Moor) von Bedeutung. Hervorzuheben sind daneben die Vorkommen von Ringel- und möglicherweise Schlingnatter, Waldeidechse (Reptilien), Berg- und Teichmolch, Erdkröte, Gras-, Wasser- und Moorfrosch (Amphibien) sowie von Sumpfschrecke im Dringenburger Moor und im Garnholter Wald. Die Kartierung der Brut- und Rastvögel wurde noch nicht bekanntgegeben, diese wird weiter fortgesetzt. Der Untersuchungsraum wird auf 400 m beidseits der Trasse, an den Anschlusspunkten und am Rastplatz Dringenburger Moor auf 500 m, in Einzelfällen auch darüber hinaus, für Brut- und Rastvögel auf 1.000 m beidseits der Trasse ausgeweitet.
Weiter geht es mit den entsprechenden Konferenzen zum 2. Abschnitt (östliches Ammerland und Wesermarsch) am 22.9.2010 in Brake. Dieser Streckenabschnitt dürfte neben den Umweltbelangen viel Brisanz wegen der in der Bevölkerung und den betroffenen Gemeinden höchst umstrittenen Trassenführung „West 3“ nördlich Delfshausen und Gut Hahn bergen. Die Hindernisse für diese Autobahn werden täglich größer. Wann begreift man von offizieller Seite endlich, dass diese Autobahn gegen den Willen der Bevölkerung geplant wird? „Stuttgart 21“ läßt grüßen!

August 2010:
Am 22.08.2010 wurde eine von den Ammerländer Bürgern gegen die A 20 (A 22) organisierte und mit ca. 300 Teilnehmern gut frequentierte Fahrrad-Sternfahrt von verschiedenen Orten des Ammerlandes nach Rastede-Bekhausen zum Ponyhof Kaper durchgeführt.

25.06.2010: Linienbestimmung enthält gravierende Mängel
Für die nun umbenannte Küstenautobahn in A 20 übergab der Staatssekretär Ferlemann vom Bundesverkehrsministerium (BMVBS) in Stade die Linienbestimmung an den Nds. Verkehrsminister Bode. Obwohl die Streckenführung durch die Jader Marsch vorgeblich noch offen sein und erst im Planfeststellungsverfahren geklärt werden soll, geben sich die Offiziellen mit dem Fertigstellungstermin 2022 unerklärlich optimistisch. Wahrscheinlich dient das Offenlassen der Streckenführung durch die Jader Marsch nur der Beruhigung der betroffenen Gemeinden. Sowohl Varel als auch Rastede und Wiefelstede verteidigen vehement die nördlich von Jaderbeg verlaufende Trassenführung, die aber durch das gutachterlich festgestellte faktische Vogelschutzgebiet führt. Die südliche Trasse würde dieses Vogelschutzgebiet zwar nicht mehr in voller Breite zerteilen, dafür aber mehr Rasteder Siedlungsbereiche tangieren und Varels Durchgangsstraße B 437 nicht entlasten. Das Dilemma bleibt also bestehen.
Bemerkenswert und entlarvend zugleich ist die Feststellung im Brief des Landkreises Ammerland an das BVMBS, die Trassenführung West 3 (südliche Umgehung von Jaderberg) würde im Bereich des Rasteder Geestrands die „besondere Eigenart und Schönheit der Ammerländer Landschaft eklatant zerstören“. Auch werden nun erstaunlicherweise Naturgüter und schützenswerte Vogelarten wie der Mittelspecht bemüht, um den Wald beim Gut Hahn nicht zu durchtrennen. Nicht das wir falsch verstanden werden: letzteres wäre in der Tat eine Katastophe, aber dass die Naturschutzverbände und die Bürgerinitiativen auf diese Problematik verbal und in ihren diversen Stellungnahmen immer wieder hingewiesen haben und dass die Autobahn viele ähnlich schöne und schützenswerte Landschaften zwischen Elbe und Wesermarsch zerstören würde, spielte bei den Ammerländer Wortführern der A 20/A 22 bisher, wenn überhaupt, nur eine untergeordnete Rolle - wie man sieht, nur solange die regionalen Interessen der Kommunen und der (Tourismus-) Wirtschaft nicht so schmerzlich tangiert wurden. Dass nun aber gerade diese durch die veränderte Lineinführung der Autobahntrasse (fraglich bleibt, ob diese Änderung im Rahmen der Linienbestimmung überhaupt rechtmäßig ist) in Gefahr geraten, verändert die Sachlage grundlegend. Nun wird plötzlich so etwas wie Sorge um Natur und Landschaft sichtbar. Warum wurde diese Sorge bei der bisherigen Hauptvariante (West 2) nicht ebenso sichtbar, z. B. beim Wald von Groß Garnholt, bei der Wapelniederung sowie beim Dringenburger und Holler Moor? Und hinter vorgehaltener Hand müssen nun die Auftraggeber für das Rastvogelgutachten, die bösen Naturschützer von BUND und NABU, als Prügelknaben für das erkennbare Dilemma herhalten, andererseits wird im o. g. Schreiben das BVMBS ersucht, weiter die Hauptvariante (West 2) durch das faktische Vogelschutzgebiet zu verfolgen, auch auf die Gefahr hin, damit europäisches Recht zu brechen. Schon Goethe ließ seinen Zauberlehrling sagen: „Die ich rief, die Geister, werd’ ich nun nicht los.“ ...

Hinzu kommt die weiterhin völlig ungeklärte Finanzierung der Autobahn. Und das erklärte nicht Irgendwer, sondern der Vorsitzende des Verkehrsausschusses des Bundestages jetzt anläßlich eines Besuchs in Rastede.
Wann nimmt man behördlicherseits endlich zur Kenntnis, dass diese Autobahn nach Fertigstellung bei weitem nicht ausgelastet sein wird (u. a .auch wegen des sechsstreifigen Ausbaus der A 1), das Gewerbegebiete in erster Linie aus dem Hinterland unter arbeitsplatzsparenden Investitionen in Autobahn-Gewerbegebiete wechseln, das der Jadeport überwiegend Transportwege in südliche Richtungen benötigt, das der Schwerlastverkehr aus den nordischen und baltischen Staaten überwiegend seine Güter gen Rotterdam und weiter transportieren und das der ohnehin atemberaubende Schuldenberg der Republik um weitere mindestens 2 Milliarden Euro (incl. Elbeuntertunnelung und Wesertunnelanpassung) anwachsen wird, das sich das Leben vieler Menschen in dramatischer Weise verändert hat und das unersetzliche Natur unwiederbringlich vernichtet wurde.

Gänse in der Jader Marsch, Foto Gramberg
Gänse in der Jader Marsch, Foto Gramberg

Ähnlich wie beim Rhein-Main-Donau-Kanal wird nach einer Fertigstellung der A 20 das Gejammer groß sein und die Suche nach den Schuldigen, den dann längst pensionierten „Spitzenbeamten“, einsetzen, wenn sich herausstellt, dass die ursprünglichen, bewußt schön gerechneten Kosten um das Doppelte angestiegen sind und die Autobahn sich wegen fehlender Auslastung als weitgehend überflüssig erweist. Interessant ist in diesem Zusammenhang die Streichliste des NABU-Bundesverbandes von im Bau oder in Planung befindlichen Straßenbauprojekten des Bundes.

09. Juni 2010: Alternativkonzept der Presse vorgestellt und an die Entscheidungsträger in Bund und Land versandt
Der Koordinierungskreis der Initiativen gegen die A 22 (KOK) stellte heute sein Konzept "Verkehrliche Alternativen zur Küstenautobahn A 22" der Presse vor. Das Papier wurde auch an das Bundesverkehrsministerium (BMVBS) und seine vier Staatssekretäre geschickt, an die Mitglieder des Verkehrsausschusses im Bundestag, den Bundesumweltminister, an die Ministerpräsidenten und Verkehrsminister aller Bundesländer, an die Landräte und Kreistage aller betroffenen Landkreise sowie an die verkehrspolitischen Sprecher der Fraktionen der vier Nordländer Niedersachsen, Schleswig-Holstein, Hamburg und Bremen. Hierin wird noch einmal der fehlende Bedarf für eine weitere Autobahn in Küstennähe, der Widerspruch zu den nationalen wie internationalen Klimaschutzzielen, die deutlich zu gering prognostizierte Auslastung ab Fertigstellungsdatum 2020, die fehlende Eignung des Wesertunnels als Autobahntunnel, die sowohl finanziell als auch technisch noch völlig ungeklärte Elbquerung dargelegt sowie detaillierte Verkehrsalternativen entwickelt.

20.04.2010:
Aus der Umweltausschusssitzung des Landkreises Ammerland wurde berichtet, dass die Variante West 3 nun mit untersucht würde, um das faktische Vogelschutzgebiet in der Südlichen Jader Marsch zu umgehen. Anlass hätte ein fachlich anerkanntes Gutachten von BUND und NABU gegeben. Es würde jetzt noch untersucht, wie weit die Vögel in südlicher Richtung die Variante West 3 tangierten.
Ausdrücklich wurde betont, dass es noch kein Signal für eine Entscheidung gäbe. Es könnte sein, dass sich das Bundesministerium für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung (BMVBS) für die Variante West 3 entscheidet. Bei Beeinträchtigungen von europäischen Schutzgebieten könnten Ausnahmen nur zugelassen werden, wenn keine Alternativen vorliegen. Mit Variante West 3 läge eine Alternative vor. Die Planer haben die Varianten West 2 und West 3 offenbar nochmals verglichen und festgestellt, dass 12 Gebäude bei der Variante West 2 mehr betroffen seien als bei West 3, ansonsten werden die beiden Varianten gleich bewertet. Die Betroffenheit von "nur" 12 Gebäuden mehr sei marginal. Damit läge eine zumutbare Alternative vor.
Der Landkreis, wie auch andere Gemeinden, sind mit dem Umschwenken zur Variante West 3 nicht einverstanden und finden das Vorgehen "intransparent". Möglicherweise soll noch ein gemeinsames Papier mit Bedenken ans BMVBS geschickt werden. Das Land Niedersachsen wolle aber keine Diskussion führen und will, dass das BMVBS entscheidet. O-Ton: Niedersachsen will diese Autobahn - egal wie und wo!
Aus den Reihen der Ausschussmitglieder kam die Kritik, ob jetzt Vögel mehr wert seien als Menschen (FDP). Es kam auch harsche Kritik an der geheimen Bereisung am 16.03. durch das BMVBS, das Bundesumweltministerium (BMU) und die Nieders. Landesbehörde für Strassenbau und Verkehr (NLStBV), über die wohl nur die Landkreise und nicht die Gemeinden informiert waren (SPD, CDU).
Eingangs des Tagesordnungspunktes zur A 22 wurde berichtet, dass die "Ammerländer Bürger gegen die A 22" mit einem Schreiben darauf hingewiesen hätten, dass bisher eine Umbenennung der A 22 in A 20 nicht stattgefunden hätte (in der Bekanntmachung zur Sitzung stand "A 20 - ehemals A 22"). Es wurde klargestellt, dass die A 22 weiterhin offiziell A 22 heißen würde. Die Umbenennung sei aber beantragt, weil man sich dadurch eine Förderung durch die TEN (Transeuropäische Netze) verspräche.

05. Aug. 2009: Rastvogelgutachten beweist: kein Autobahnbau durch die Südliche Jader Marsch
Anläßlich der öffentlichen Präsentation des Rastvogel-Gutachtens für die Südliche Jader Marsch fand am Nachmittag des 05. Aug. 2009 eine Pressekonferenz mit Vertretern von Rundfunk und Printmedien statt. Am Abend erfolgte die Vorstellung des Gutachtens vor dem voll besetzten Saal des Jaderberger Schützenhofs. Ausrichter waren BUND Wesermarsch, Schutz- und Klagefonds und NABU Oldenburger Land. Nach einleitenden Worten und einer Replik auf die Vorgeschichte zur A 22 durch den 2. Vorsitzenden des NABU, Horst Lobensteiner, erläuterte der Autor und Biologe Volker Bohnet die Ergebnisse seines Gutachtens anhand einer Power-Point-Präsentation (hier nachzulesen!). Die rechtliche Bewertung der Berliner Anwaltskanzlei Kremer trug anschließend in gleicher Form Susanne Grube vor. Danach ist die an das Vogelschutzgebiet (VSG) „Marschen am Jadebusen“ angrenzende Südliche Jader Marsch insbesondere von Weißwangen- und Blässgänsen in den Winterhalbjahren als Äsungsgebiet so stark frequentiert, dass daraus eine internationale Bedeutung für Rastvögel abgeleitet werden muß.
Die Konsequenz aus diesen wissenschaftlich fundierten, in 64 Begehungen ermittelten Daten ist die Einordnung der Südlichen Jader Marsch in die Kategorie eines VSG. Bis zu einer entsprechenden Anerkennung durch die EU ist das Gebiet als faktisches VSG zu behandeln. Nach höchstrichterlicher Rechtsprechung durch das BVerwG und den EuGH sind danach alle Handlungen untersagt, die ein so charakterisiertes Gebiet beeinträchtigen könnten, ein Autobahnbau also nach deutschem und europäischem Recht unzulässig.
Durch Bau und Betrieb der Küstenautobahn A 22 würde es zu einer Beeinträchtigung von rund 22 % der ornithologisch wertvollen Flächen der Südlichen Jader Marsch und rund 3 % der Flächen des zu erweiternden VSG kommen. Dies würde eine erhebliche Beeinträchtigung des VSG darstellen. Das Erheblichkeitskriterium nach § 42 (1) Nr. 2 BNatSchG ist ebenfalls erfüllt, weil die Voraussetzungen für Ausnahmen nach § 43 (8) BNatSchG wegen der zu befürchtenden Populationsverschlechterung der betroffenen Arten und dem Vorliegen zumutbarer Alternativen nicht gegeben sind. Selbst bei Heranziehung der Ausnahmetatbestände des Art. 9 der EU-Vogelschutzrichtlinie wäre eine Ausnahme n u r im Interesse der Volksgesundheit und der öffentlichen Sicherheit, im Interesse der Sicherheit der Luftfahrt, zur Abwendung erheblicher Schäden an Kulturen, Viehbeständen, Wäldern, Fischereigebieten und Gewässern und zum Schutz der Pflanzen- und Tierwelt denkbar. Diese Kriterien liegen in der Südlichen Jader Marsch nicht vor.
Der Abend endete mit einem hoffnungsvollen Fazit. Die Zuhörer entließen die Organisatoren mit dankbarem Applaus.

Weißwangen-(Nonnen-)gänse
Weißwangen-(Nonnen-)gänse

Januar 2009:
Im Januar wurde das Raumordungsverfahren abgeschlossen. Mit Ausnahme von zwei kleineren Abweichungen in der Trassenführung wurde von der Planungsbehörde die Vorzugsvariante beibehalten und im Zuge des Verfahrens zur Linienbestimmung dem Bundesverkehrsministerium zur Entscheidung vorgelegt.

August 2008:
Ende Juli wurden von der Planungsbehörde in Teilen geänderte Planungsunterlagen zum ROV übersandt, die innerhalb eines Monats (in der Hauptferien- und Reisezeit!) gesichtet, bewertet und bearbeitet werden sollten. Nach Angaben der Behörde wurden die Änderungen durch zusätzliche Variantenvergleiche aufgrund der Vielzahl von Einwendungen von Verbänden und Betroffenen im Rahmen des ROV nötig. Mit den Unterlagen wurde außerdem eine vergleichende Übersicht der Stellungnahmen und der Entgegnungen der Planer versandt. Diese sogenannte Synopse umfaßte allein über 1000 (!) kleinbedruckte Seiten.

26.03.2008:
Der NABU ist dem in Jaderberg gegründeten Schutz- und Klagefonds mit einem Beitrag von 200 Euro beigetreten. Für die Interessenvertretung der Betroffenen, Bürgerinitiativen und Verbände konnte ein in Verkehrsstreitigkeiten erfolgreicher Berliner Anwalt gewonnen werden, der auch das ROV bereits aktiv begleitet hat. Der Vorsitzende des NABU Rastede hat an den diesbezüglichen Besprechungen mit dem Sprecherkreis der Initiativen westlich der Weser teilgenommen.

Jan.2008:
Die Arbeiten zur Erstellung einer 20-seitigen detaillierten Stellungnahme zum Raumordnungsverfahren (ROV) konnte im Januar 2008 abgeschlossen und an die Straßenplanungsbehörde beim Landkreis Lüneburg geschickt werden.

01.11.2007:
Beginn der öffentlichen Auslegung der Planungsunterlagen zum ROV
Nachdem die Planungsunterlagen zum Raumordnungsverfahren (ROV) in den Rathäusern der Anliegergemeinden öffentlich ausgelegt worden waren, konnte jeder Bürger bis zum 15. Dez. 2007 seine generellen Bedenken und/oder seine persönliche Betroffenheit in einer Eingabe geltend machen. Auch im Internet unter www.kuestenautobahn.info konnten die Unterlagen eingesehen werden. Der NABU Rastede stellte Kritikern der A 22 den Entwurf einer allgemein gehaltenen Einwendung in einer PDF-Datei zum Ausdrucken vor, der unverändert oder als Anregung für eigene Einwendungen verwendet werden konnte. Im Rahmen einer Pressekonferenz in Jaderberg und einer Bürgerversammlung in Spohle konnte die Position des NABU in einem Rundfunk- und Fernsehbeitrag einem breiteren Publikum deutlich gemacht werden. Auch der Einwendungsentwurf wurde bei der Bürgerversammlung in Spohle verteilt. Alle NABU-Gruppen des Oldenburger Landes ebenso wie alle NABU-Mitglieder über den Rundbrief des NABU-Landesverbandes wurden zur Beteiligung an der Einwendungs-Aktion aufgerufen. Die deutlich gestiegenen Besuche auf unseren Internetseiten im November und Dezember ließen auf eine rege Beteiligung schließen.

Juni 2007:
Das Frühjahr 2007 brachte zwei Vorkonferenzen zum Raumordnungsverfahren zur A 22 diesseits und jenseits der Weser. Von den diversen Bürgerinitiativen zwischen Kehdinger Land und Ammerland wurde der Gedanke eines Schutz- und Klagefonds für den Fall einer gerichtlichen Auseinandersetzung im Planfeststellungsverfahren entworfen, an dessen finanziellem Grundstock sich nach dessen Gründung auch der NABU beteiligen wird. Es konnte in einem auch vom NABU begleiteten Auswahlverfahren eine namhafte Berliner Anwaltskanzlei mit entsprechenden Spezialkenntnissen gewonnen werden.

Foto Sönke Morsch
Foto Sönke Morsch

März 2007:
8.000 Unterschriften gegen die A 22 im Bundesverkehrsministerium übergeben !
Eine Delegation der verschiedenen Bürgerinitiativen gegen die A 22 und des NABU überreichten in Berlin eine Unterschriftenliste mit fast 8.000 Unterschriften und ein an Minister Tiefensee gerichtetes "Bürgerbuch Küstenautobahn". In einem sehr aufschlussreichen Gespräch mit dem parlamentarischen Staatssekretär Großmann wurde deutlich, dass der Bau der A 22 nur dann Aussicht auf Verwirklichung hätte, wenn die A 22 in den vordringlichen Bedarf des Bundesverkehrswegeplans 2009/2010 aufgenommen werden würde. Erst dann wäre an die Bereitstellung von Bundesmitteln zu denken. Voraussetzung sei aber weiter, dass Niedersachsen auf ein ähnliches Projekt aus dem vordringlichen Bedarf in Höhe der Kosten der A 22 verzichtet.

27.06.2006:
Die immer wieder bemühten Arbeitsplatzargumente wurden in einem Vortrag in Westerstede von Prof. Dr. Gather (FH Erfurt) ad absurdum geführt. Prof. Gather untersucht im Fachbereich Verkehrspolitik und Raumplanung speziell die regionalen Effekte von Fernstraßeninfrastrukturen hinsichtlich Investitonen und Beschäftigungsverhältnisse. Danach sind neue Arbeitsplätze in der Region nur in der Bauphase der Autobahn zu erwarten. Später würden ansiedlungswillige Betriebe fast ausschließlich aus dem eigenen Hinterland an die Autobahn gehen. Im Zuge der dann notwendigen Neukonzeption und Umstrukturierung gingen eher noch Arbeitsplätze verloren. Auch eine Kaufkraftabwanderung zu den dann schneller erreichbaren Oberzentren konnte Prof. Gather statistisch belegen.



Helfen Sie dem NABU beim Kampf gegen diesen unsinnigen wie für Mensch und Natur schädlichen Autobahnbau! Kämpfen Sie mit uns für den Erhalt der Lebensräume für Seeadler und Blessgans, Fischotter und Lachs!
Wir rufen alle Gegner auf, sich gegenüber ihren Kommunal-, Landes- und Bundespolitikern in schriftlicher wie mündlicher Form gegen den Bau der A22 auszusprechen.



Zum Schluß müssen noch ein paar Fragen an die Verantwortlichen in Politik und Verwaltung erlaubt sein:
- Ist es nicht unsere Pflicht, auch daran zu denken, dass wir die Finanzierung und die Folgekosten neuer Autobahnen (die A22 ist ja nur eine von vielen geplanten) letztlich der Kinder- und Enkelgeneration aufbürden werden?
- Ferienregion auf der einen, Transitland auf der anderen Seite - kann der Widerspruch größer sein?
- Welche Zukunft billigen wir der schwindenden Natur bei uns zu und bleibt diese für nachfolgende Generationen noch lebenswert?


Eine Forschungsarbeit zur Blessgans siehe unter www.blessgans.de.

Auf 100 neue Nistkästen können sich die Schloßparkvögel freuen

Vielen Dank an BINGO für die Finanzierung der Holzbeton-Nistkästen f. d. Schlosspark
Vielen Dank an BINGO für die Finanzierung der Holzbeton-Nistkästen f. d. Schlosspark

Rastede baut sich zu !

Göhlen, Ipwege, Hankhausen IV, Hahn-Lehmden und und und: Wie ist der Bau- wahn in Rastede zu stoppen?
Göhlen, Ipwege, Hankhausen IV, Hahn-Lehmden und und und: Wie ist der Bau- wahn in Rastede zu stoppen?

Die Feldlerche: Vogel des Jahres 2019

Bei uns längst zur Rarität geworden und akut vor dem lokalen Aussterben !
Bei uns längst zur Rarität geworden und akut vor dem lokalen Aussterben !

Hankhauser Moor: Über Torfab-bau entscheidet das Gericht !

Umweltausschuss am 10.10.: Die LSG-Verordnung wird vorerst zurückgestellt!
Umweltausschuss am 10.10.: Die LSG-Verordnung wird vorerst zurückgestellt!

Windparks im Norden Rastedes: Stellungnahme unter "Aktuelles"

Fotomontage S. Lorenz (Ipweger Moor)
Fotomontage S. Lorenz (Ipweger Moor)

Aussetzung des Sofortvollzugs f. d. 1. Abschnitt WST-Jaderberg durch eine Privatklage

Naturzerstörend wie keine andere und unsinnig zugleich: die A 20 (A 22)
Naturzerstörend wie keine andere und unsinnig zugleich: die A 20 (A 22)

Erschreckend: In 30 Jahren ver- schwanden 3/4 unserer Insekten

Lesenswerter Kommentar dazu von Förster Sönke Hofmann im Weserkurier (23.12.)
Lesenswerter Kommentar dazu von Förster Sönke Hofmann im Weserkurier (23.12.)

Rastedes Verstädterung setzt sich ungebremst fort !

Baugebiet auf Sickerflächen im Göhlen, s. NABU-Stellungnahme, Foto Silke Lorenz
Baugebiet auf Sickerflächen im Göhlen, s. NABU-Stellungnahme, Foto Silke Lorenz

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